Deutschland

AfD-Vize in Mecklenburg-Vorpommern: Unsere Bürger wollen nicht kriegstüchtig werden

Was geben die Bürger in Mecklenburg-Vorpommern AfD-Politikern mit auf den Weg? Was stört sie, was wollen sie ändern und – wovor haben sie Angst? Darüber sprach unser Reporter am Rande der Wahlparty in Schwerin mit dem Landtagsabgeordneten Michael Kasch.
AfD-Vize in Mecklenburg-Vorpommern: Unsere Bürger wollen nicht kriegstüchtig werden© Urheberrechtlich geschützt

Die AfD hat die Wahl gewonnen, aber nicht mit 40 Prozent. Sind Sie trotzdem am Jubeln?

Kasch: Ja, natürlich bin ich trotzdem am Jubeln. Wir haben uns mehr als verdoppelt und das ist ein wirklich tolles Ergebnis, das wir erreicht haben. Das zeigt auch, dass wir bei den Bürgern angekommen sind. Wir haben die Bürger erreicht, sonst hätten wir uns nicht verdoppelt. Wir sind auf dem richtigen Weg und müssen nun schauen, was wir damit machen können. Es ist ein Sieg, aber den müssen wir auch irgendwie verarbeiten. Das wird nun die Aufgabe sein.

Hat die Brandmauer-Strategie Ihren politischen Gegnern geschadet?

Kasch: Ja, auf jeden Fall. Wir wollen etwas für die Bürger machen. Und was eine Brandmauer bringt, das sieht die CDU doch jetzt. Diese Brandmauer fällt zusammen. Die CDU ist völlig überflüssig geworden. Wir sehen das ja auch in Berlin. Wir haben in Berlin die Linken vorne und hier in Mecklenburg-Vorpommern sind wir Wahlsieger. Und diese Parteien, die in der Mitte sind und sich dort einmauern, die brauchen wir nicht. Man kann polarisieren, man geht auf eine Seite. Und das merkt die CDU jetzt sehr deutlich.

Da sollte man auch die ganze Politik einmal überdenken und sich fragen, ob man wirklich richtig gelegen hat. Vielleicht ist es für die CDU inzwischen auch zu spät. Wenn ich sehe, dass sie bundesweit keine 20 Prozent mehr erreicht, ist sie keine Volkspartei mehr. Und meistens geht es dann auch weiter runter. Wir haben das schon einmal in Italien erlebt. Diese konservative Partei, die auch das Christliche im Namen hatte, hat sich dort ebenfalls zerlegt. Und ich fürchte, die CDU wird dieses Schicksal auch erleiden.

Aber es gibt auch andere Parteien, man sagt sogar Parteikartell. Welches Signal an Berlin sendet dieses Wahlergebnis?

Kasch: Das Wahlergebnis zeigt für mich ganz klar, dass die Leute sich positionieren. Sie wollen eine Veränderung. Dieses Gewurschtel in der Mitte, wo alle gleich sind, wollen sie nicht. Sie haben das gesagt, Kartellparteien, ich übernehme das mal. Das will keiner, das braucht keiner, weil man diese Parteien wählen kann oder nicht. Egal, wen man wählt, man bekommt dieselbe Politik. Und das wollen die Leute nicht. Deswegen: links in Berlin, hier wir. Man will dieses Gemauschel nicht mehr, sondern eine klare Änderung in der Politik. In welche Richtung es geht, ist in beiden Ländern unterschiedlich, aber der Wunsch nach Veränderung ist derselbe.

Was bewegt die Menschen in diesem Bundesland am meisten?

Kasch: Wenn ich auf der Straße bin, haben wir das Thema Frieden, wir haben das Thema Russland und wir haben das Thema Wirtschaft. Die Wirtschaft ist hier durch viel zu hohe Energiepreise gegängelt. Wir sind dafür, die Nord-Stream-Leitung wieder in Betrieb zu nehmen. Ein Strang funktioniert ja noch, die anderen müssten repariert werden, damit wir wieder die Möglichkeit haben, vernünftig Gas einzukaufen. Das ist den Menschen hier sehr wichtig. Da sind wir sicherlich anders als in den anderen Bundesländern, vor allem im Westen. Aber für uns ist das eigentlich das Thema Nummer eins.

Frau Schwesig hat sich auch für Nord Stream eingesetzt, dann hat sie eine Wende in die umgekehrte Richtung vollzogen. Überrascht Sie das?

Kasch: Nein, das überrascht mich nicht. Wir haben immer wieder erlebt, dass Versprechen gebrochen wurden, sei es von der CDU oder von der SPD. Und diese Geschichte gehört auch dazu. Ich finde, Frau Schwesig hat keine gute Wirtschaftspolitik gemacht. Wir haben hier 28 Jahre SPD und rote Regierung gehabt, zusammen mit der CDU. Wenn wir uns die Zahlen anschauen, liegen wir im Vergleich der Bundesländer zwischen Platz 14 und 16, also ganz unten. Das ist keine gute Politik und deswegen müssen wir das ändern.

Sie haben gesagt, dass die Frage des Friedens mit Russland die Menschen bewegt. Aber ich habe im Regierungsprogramm kein Wort über die Außenpolitik gefunden, überhaupt nichts.

Kasch: Das liegt daran, dass die Außenpolitik natürlich kein Landesthema ist. Aber ich bin Direktkandidat in Stralsund und will für die Menschen da sein. Wenn ich an den Ständen stehe und immer wieder höre, dass die Menschen Kriegsangst haben, dass sie Angst bekommen, wenn es heißt, wir müssten kriegstüchtig werden, dann muss das auch mein Thema sein. Jeder Krieg hört irgendwann am Verhandlungstisch auf. Wir müssen dahin kommen, dass sich die Kriegsparteien endlich zusammensetzen und nicht mehr geschossen wird. Dafür kann man sich einsetzen, auch wenn es kein Landesthema ist.

Die Häfen können auch militärisch genutzt werden. Das macht die Leute auch nervös, oder?

Kasch: Ja, natürlich. Wir haben in Rostock das Kommando der NATO und inzwischen haben wir auch in Stralsund wieder Bereiche, die für Kriegsschiffe hergerichtet werden. Wir hatten uns in Stralsund in der Bürgerschaft einmal dafür ausgesprochen, dass wir das nicht mehr machen. Das ist inzwischen obsolet. Für mich persönlich geht das in die falsche Richtung. Ich möchte nicht, dass wir das für den Kriegsschiffbau nutzen. Auf der anderen Seite sind wir dann natürlich irgendwann auch wieder ein Ziel in Stralsund. Besser wäre es, wenn wir eine Stadt wären, die keine Rüstungsgüter baut.

Ist man in der Fraktion in dieser Hinsicht einer Meinung oder gibt es Meinungsunterschiede?

Kasch: Das ist die vorwiegende Meinung. Es gibt immer andere Meinungen, aber das ist die Meinung, die doch positiv gesehen wird.

Das Gespräch führte Wladislaw Sankin.

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